Eltern bleiben nach der Scheidung

Es lässt sich kein Termin für gemeinsame Aktivitäten finden, die Kinder möchten lieber etwas mit Freunden unternehmen oder sie wollen keinen Kontakt.

Väter/Mütter geraten in eine verzweifelte Rolle und wissen oft nicht, wie sie sich verhalten sollen. Dem anderen Elternteil wird dann oft eine manipulative Haltung zugeschrieben, sie hätten die Kinder dazu gebracht, den Kontakt zum Vater abzubrechen. Ganz so einfach ist die Sache oft aber gar nicht.

Viele Kinder bekommen die schlechte Beziehung der Eltern nach der Scheidung weiterhin mit. Es wird um die Besuchsregelung gestritten, um Besuchserlebnisse und um die Zeit nach den Besuchen, die nicht nach den Vorstellungen der Beteiligten abgelaufen sind. Neue Lebenspartner mischen im Familiensystem mit und die Regeln und Werte sind nicht in allen Haushalten gleichbedeutend.

Kinder erkennen rasch, dass es sich bei diesen Streitszenarien um sie dreht und versuchen, diesen unangenehmen Situationen auszuweichen – und zwar dahingehend, dass sie anfangen, die Besuche zu boykottieren. Sie finden Ausreden, warum sie nicht zum anderen Elternteil gehen können oder wollen. Ein Grund dafür kann Eigenschutz oder Schutz eines Elternteils sein oder auch der Wunsch, nicht mehr mit den ständigen Auseinandersetzungen konfrontiert zu werden.

Eine gute Kommunikation auf der Elternebene ermöglicht Kindern einen leichteren Umgang mit der Scheidung- und Trennungssituation. Wertschätzende Haltung beider Eltern den anderen Elternteil gegenüber sowie kein „Ausfragen“ der Kinder, wie es dem anderen Elternteil in seiner Lebenswelt denn so geht, sind wichtige Faktoren, damit ein guter Kontakt zu beiden Eltern gelingen kann. Kinder sind keine Spione, werden jedoch leider oft als solche eingesetzt und geraten dabei in einen Loyalitätskonflikt.

Kinder mit einem solchen Konflikt neigen dazu, Kontakte zu einem Elternteil zu vermeiden, um niemanden zu verletzen. Die psychische Belastung dieser Kinder ist jedoch sehr hoch, wollen sie doch zu beiden Eltern Kontakt haben.

Viele Eltern neigen dazu, die problematische Sachlage beim Kind zu hinterfragen. Was ist nur mit unserem Kind los, dass es keinen Kontakt mehr haben will? Man hat sich immer bemüht, zahlreiche Unternehmungen gestartet und jetzt ist der Kontaktabbruch das Ergebnis? Sich zu hinterfragen, was wir als Eltern besser machen könnten, ist oft erst das Mittel zweiter Wahl. Dennoch ist der Kontaktabbruch häufig ein Hilfeschrei: „Bitte kümmert euch um eure Probleme und eure Kommunikation und lasst mich damit in Ruhe!“

 

 

 

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